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Checkliste Ausbildung an Journalistenschulen

Herausgegeben vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), 2016

Viele Wege führen in den Journalismus: Volontariat und/ oder Hochschulstudiengänge, die speziell auf den jour- nalistischen Beruf vorbereiten. Und Journalistenschulen. Damit beschäftigt sich diese Checkliste. Denn die Ange- botspalette ist vielfältig. Sie reicht von der ältesten, renom- mierten Deutschen Journalisten-Schule (DJS) in München über verlagseigene Akademien bis zu kleineren privaten Initiativen.

Interessenten an einem Platz an Journalistenschulen müs- sen wissen: Die Zahl der Bewerber/innen ist sehr groß und die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze sehr klein. Das bedeutet rigide Auswahl – durch Bewerbungsschreiben, durch Tests, durch Gespräche, durch Übungsarbeiten. Aber nicht von vornherein abschrecken lassen: Manchmal klappt es im zweiten Anlauf. Und es schadet auch nicht, sich parallel für mehrere Journalistenschulen zu interessie- ren und sich zu bewerben.

Die Akzeptanz der Journalistenschulen in der Branche ist durchweg hoch. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass am Ende der Schulzeit ein Redakteursvertrag steht. Unternehmenseigene Schulen können auch nur in die feste freie Mitarbeiterschaft, beispielsweise auf Basis eines Zeit- oder Pauschalvertrages führen, und in anderen Medienhäusern kann von Schulabsolventen noch ein zu- sätzliches (eventuell verkürztes) Volontariat erwartet werden – der journalistische Arbeitsmarkt macht es möglich.

Vor allem das fachliche Angebot sollte bei der Schulwahl eine Rolle spielen, aber auch die Kosten der Ausbildung können von Bedeutung sein. Einige Ausbildungsgänge sind kostenpflichtig, andere zahlen zwar monatliche Vergütungen, diese liegen aber zumeist unterhalb eines Volontärgehaltes und können die Unterhaltskosten nicht immer decken. In manchen Fällen können dann Stipendien oder zinsgünstige Kredite in Anspruch genommen werden.

Nähere Informationen zu den Schulangeboten finden Sie im DJV-Ratgeber für Berufsanfänger/innen „Journalist/ in werden?“ (DJV Wissen 5) und im Internet (www.djv.de) bzw. über Informationsschriften und Homepages der ein- zelnen Schulen. Gezielte Nachfragen bei journalistischen Praktikern oder bei den DJV-Landesverbänden können das Bild abrunden.

Die folgende Checkliste soll helfen, Stärken und Schwä- chen einzelner Schulangebote rechtzeitig zu erkennen. Können Sie die meisten Fragen bejahend „abhaken“, sind Sie auf dem richtigen Weg.

Und wenn Sie dann noch die jeweiligen Bewerbungsverfahren überstehen: Viel Erfolg auf der journalistischen Schulbank!

 

Transparenz

  • Ist die Selbstauskunft der Schule (Info-Material, Online-Auftritt etc.) über ihr Angebot umfassend?
  • Vermittelt diese Selbstdarstellung den Eindruck journalistischer Kompetenz durch Transparenz, professionelle Präsentation und verständlichen Inhalt?
  • Enthalten die Informationen genaue Angaben über Dauer, Aufbau, Stationen, Ziele und Verlauf der Ausbildung?
  • Erteilt die Schule Auskunft über ihr Lehrpersonal und dessen Qualifikation?
  • Gewährleistet die Klassengröße eine angemessene Betreuung durch die Dozenten?
  • Sprechen Zahl und Herkunft der Dozenten für eine ausreichende fachliche Begleitung?
  • Wird die Gesellschaftsform und Organisationsstruktur der Schule erläutert?
  • Gibt es Erkenntnisse über Kooperationspartner und Sponsoren?
  • Verfügt die Schule über einen pluralistisch zusammengesetzten Beirat?
  • Wird deutlich, ob die Schule Geld kostet oder Ausbildungsvergütung zahlt, und wird dies konkret beziffert?
  • Weist die Schule darüber hinaus Zertifizierungen/Evaluationen aus?

 

Image der Schule

  • Ist die Schule unter journalistischen Praktikern bekannt?
  • Organisiert die Schule (zum Beispiel über Trägerschaft, Beiräte, Konferenzen, Tagungen) Kontakte zum journalistischen Berufsfeld und zu anerkannten Berufsorganisationen?
  • Verfügt die Schule über Verbindungen zur journalistischen Wissenschaft?
  • Tragen die Dozenten durch Veröffentlichungen und/oder Funktionen erkennbar zum professionellen Diskurs in der journalistischen Branche bei?
  • Hat die Schule durch Statuten oder Ähnliches gegenüber ihren Trägern eine weitgehende Unabhängigkeit ihrer Ausbildung gesichert?
  • Bietet die Journalistenschule einen Austausch mit dem Ausland (Kooperationen mit anderen Journalistenschulen)?
  • Ersetzt der Besuch der Journalistenschule jedes weitere Volontariat?
  • Gilt die Schule in der Branche als experimentierfreudige „Denkfabrik“?

 

Bewerbungsverfahren
  • Ist das Bewerbungsverfahren transparent und nachvollziehbar?
  • Werden journalistische Erfahrungen vorausgesetzt bzw. erleichtert Praxiserfahrung zumindest die Teilnahme am Bewerbungsverfahren?
  • Werden Bewertungsmaßstäbe erläutert?
  • Wird deutlich, welchen Anteil die einzelnen Tests/Übungen/Gespräche an der Gesamtbewertung im Auswahlverfahren haben?
  • Gibt es im Auswahlverfahren anonymisierte Bestandteile (zum Beispiel Übungsarbeiten)?

 

Ausbildungsaufbau

  • Vermittelt die Schule eine grundlegende Journalistenausbildung, die über eine berufliche Weiterbildung/fachliche Spezialisierung hinausgeht?
  • Entspricht die Zeitdauer der Ausbildung in etwa einem Volontariat (18 bis 24 Monate)?
  • Liegt der Zeitanteil an redaktioneller Arbeit ohne direkten Ausbildungsbezug bei deutlich unter 50 Prozent?
  • Arbeitet die Schule mit festen Partnerredaktionen zusammen?
  • Vermittelt die Schule alle Praxisstationen und tauscht sich mit diesen über Ausbildungsverlauf/-erfolg aus?
  • Besteht zwischen Schule und Redaktionen ein personeller Austausch?
  • Bietet die Schule Ausbildung in und für mehrere Mediengattungen (mehrmediale Ausbildung)?
  • Gibt es die Möglichkeit, sich im Laufe der Ausbildung auf das bevorzugte Medium zu spezialisieren?
  • Gibt es einen Abschluss mit qualifiziertem Zeugnis?

 

Ausbildungsinhalte

  • Vermittelt die Schule durchgängig Grundlagen der journalistischen Arbeit und der Praxisforschung?
  • Werden wirtschaftliche, soziale, kulturelle, politische, ethische und rechtliche Aspekte des Journalismus unterrichtet?
  • Trennt das Lehrangebot deutlich zwischen journalistischen Inhalten/Zielsetzungen und jenen der Werbung, des Marketings, PR und des Medienmanagements?
  • Werden ausreichend Übungen in journalistischen Arbeits- und Stilformen (Recherche, Interview, Darstellungsformen, Sprache, Präsentation) ange-boten?
  • Verfügt die Schule über entsprechende technische Ausstattung?
  • Werden Übungsarbeiten systematisch begleitet und besprochen?
  • Sieht die Ausbildung Hospitationen in branchennahen Bereichen (Politik, Wirtschaft, Kultur, PR, Bildung oder Ähnliche) vor?
  • Bietet die Schule besondere journalistische Projekte an?
  • Verfügt die Schule über eigene Medien (Internet, Zeitung) für redaktionelle Übungen?
  • Bereitet die Schule auf eine eventuelle Existenzgründung vor?
  • Werden Management- und Technikkompetenzen gelehrt?
  • Werden auch Social Media-Kanäle in die Ausbildung mit einbezogen?

 

Rahmenbedingungen

  • Bietet die Schule einen schriftlichen Ausbildungsvertrag? Enthält er Angaben über:
    • Dauer der Ausbildung mit exakten Datumsangaben zu Anfang und Ende?
    • Ausbildungsaufbau und -stationen
    • Arbeits- und Urlaubszeiten? In Anlehnung an Tarifverträge?
    • finanzielle Modalitäten
    • Existenz eines Ausbildungsplans und zu ausbildenden Personen?
    • eventuell Probezeit (in der Regel drei Monate)?
    • geltende Tarifverträge (zum Beispiel Ausbildungs-, Gehalts-, Manteltarifvertrag)?
    • Anspruch auf Zwischenzeugnis vor Ausbildungsende? (Wichtig bei Nichtübernahme in Redakteursverhältnis beziehungsweise bei Initiativbewerbungen)
    • Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis bei Schulabschluss?
    • Kann der Schulbesuch über die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden?
  • Bei kostenpflichtigen Schulen:
    • Verfügt die Schule über ein eigenes Stipendienprogramm oder vermittelt sie eines?
    • Vermittelt die Schule zinsgünstige Kredite unter moderaten Abzahlungsbedingungen?
    • Stehen Kosten für die Ausbildung und der zu erwartende Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis?
  • Bei unternehmenseigenen Schulen:
    • Ist die Ausbildung erkennbar mehr als ein „verkapptes Volontariat“?
    • Wird ein Volontärsentgelt nach Tarifvertrag gezahlt?
    • Werden sachliche Gründe für eine untertarifliche Bezahlung genannt?
    • Verfügt die Schule über kostengünstigen Wohnraum beziehungsweise werden die Journalistenschüler/innen bei der Wohnungssuche unterstützt?

 

Berufschancen

  • Gibt es gute Chancen auf Weiterbeschäftigung in Partnerredaktionen?
  • Unterstützt die Schule ihre Absolventen bei der Stellensuche?
  • Veröffentlicht die Schule Absolventen-Listen und -Statistiken, und können diese als Referenz für die Schule dienen?
  • Vermittelt die Schule Absolventen als Gesprächspartner für Interessenten?
  • Verfügt die Schule über ein Ehemaligen-Netzwerk?