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Interview mit Matthias Schweighöfer: „Ich war in der Schule ziemlich beschissen“

Interview: Torben Brinkema, Fotos: Petra Herr

Matthias Schweighöfer über seine Schulzeit: Deutsch? So lala. Musik? Gut. Und Geschichte? Verrät Matthias Schweighöfer hier. Und noch mehr: Was an seinen Klassenfahrten gut war. Was die Mädels über ihn gesagt haben. Und wie wichtig das Abi ist.

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Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an deine Schülerzeit zurückdenkst?
Öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Gut oder schlecht?
Seit ich 20 bin, benutze ich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. Ich persönlich fand das immer beschissen. Im Winter war es arschkalt draußen, dann bist du in den Bus, da war es arschheiß und dann bist du wieder raus in die Kälte. Da musstest du auch immer auf irgendwas warten, damit du irgendwo hin kommst, anstatt zu sagen, ich setzt mich jetzt irgendwo rein und bewege mich dann, wenn ich Lust dazu habe. Man war wirklich immer abhängig von den Abfahrtszeiten. Oder so etwas: Du hattest einen wichtigen Termin, wolltest eine Freundin treffen, noch ein bisschen Fummeln im Kino oder so, und dann fuhr die 31 auf einmal weg und du dachtest dir so, »Oh Scheiße, die nächste kommt erst in 25 Minuten, lauf ich jetzt? Na, ich warte«. Und dann hast du gewartet. Da stand damals dann keiner an der Bushaltestelle, da musste man noch mit sich alleine an der Bushaltestelle warten.

Woran erinnerst du dich aus deiner Schulzeit am liebsten?
Ich war mit 28 Mädchen der einzige Junge in der Klasse, das war eine ganz coole Zeit.

Wie war das, als Hahn im Korb?
Immer toll. Auf Klassenfahrten wusste man immer, dieses Zimmer ist für dich und die anderen, das sind alles Zimmer für die Mädchen. Meine Bettdecke lag vom ersten Tag an unberührt in seinem Bettchen und ich war unterwegs (lacht).

Welchen Spruch hätten deine Mitschülerinnen damals über dich in die Abizeitung geschrieben?
Die Mädchen hätten reingeschrieben, »Aus einem kleinen, dicken Jungen wurde ein dünner, größerer Junge mit sehr viel Humor. Aber trotzdem auch noch zu kindisch im Kopf. Ronny und Mike aus der 12b sind viel cooler«.

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Was waren deine Hassfächer?
Mathe, Biologie, Physik, Chemie, Französisch. Informatik war scheiße, Werken und Schulgarten gab es bei uns noch, das fand ich auch scheiße. Deutsch war so lala, Geografie, wäh, Geschichte, pfui. Kunst fand ich großartig, wir hatten auch Theater-AG, das war toll. Musik fand ich gut, Sport und eben Deutsch ein bisschen. Und Englisch.

Warst du gut in der Schule?
Ich war in der Schule ziemlich beschissen, was aber auch daran lag, dass ich wegen der vielen Dreharbeiten oft nicht da war. Ich habe damals mit 15 schon angefangen, zu arbeiten. Trotzdem wollte ich aber unbedingt mein Abi schaffen, und habe es dann auch geschafft. Allerdings mit 3,4.

Waren Noten dir wichtig?
Ich wusste, dass ich irgendwann mein Abitur schaffen wollte. Ja, deshalb waren mir Noten schon wichtig.

Und in Sachen ›Lieblingslehrer‹?
Meine Lieblingslehrerin war Frau Schröder, Frau Schröder war Deutschlehrerin. Und Frau Schröder ging gerne ins FKK-Bad. Für alle, die nicht wissen, was FKK ist: das heißt Freikörperkultur, also: nackt. Meine Eltern gingen auch gerne ins FKK-Bad, also war ich auch oft dort und traf Frau Schröder da auch ab und zu mal nackt. Deswegen war sie meine Lieblingslehrerin (lacht).

Mathe mochtest du nicht so gerne. Was würdest du heute deinem Mathelehrer sagen?
Ach, mein Mathelehrer war schon cool, ich war nur einfach zu dumm, wahrscheinlich wird es das gewesen sein. Es ist aber auch schwierig für Lehrer, Kindern immer wieder etwas beizubringen. Wenn Kinder keinen Bock haben, hast du heutzutage auch keine Chance. Deswegen: Seid ein bisschen gnädiger zu den Lehrern.

Was vermisst du heute an der Schule?
Die große Hofpause. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, damals gab es die große Hofpause, die war großartig.

Welche Art von Schüler warst du?
Schon der Klassenclown, aber irgendwie auch nicht. Denn mit so vielen Mädchen in der Klasse muss man sich auch behaupten.

Was würdest du heute machen, wenn du plötzlich wieder Schüler wärst?
Ich würde mich freuen. Denn erstens wäre ich jünger und zweitens hätte ich irre viel freie Zeit. Die Schulzeit, wie viel Zeit man da hat, und wie wenig Verantwortung. Man geht einfach ›nur‹ in die Schule.

Wie hast du die Pausenzeit verbracht?
Ich bin raus und habe mit den Jungs aus den anderen Klassen gespielt und habe meistens ein Brot gegessen.

Hast du mal überlegt, die Schule abzubrechen?
Ich habe nie überlegt, die Schule abzubrechen, das wollte ich nicht.

interview-matthias-schweighoefer-und-torben-brinkemaWie erkennt man im Leben, ob man eine Sache weiter verfolgen oder aufgeben sollte?
Das ist eine gute Frage, wie erkennt man das? Wenn dich eine Sache glücklich macht, du damit zufrieden bist und dich das, was du machst, stolz macht, dann solltest du weiter machen, solange es dich eben glücklich macht. Immer, wenn du merkst, dass du mit etwas unglücklich bist und auch alle anderen sagen, du solltest mit der Sache aufhören, würde ich es ernst nehmen und darüber nachdenken, ob das so ist. Aber wenn man merkt, man hat immer noch viele Eisen im Feuer, dann würde ich sowieso auf alle Meinungen scheißen, und trotzdem weitermachen.

Wie haben deine Eltern reagiert, als du Schauspieler werden wolltest?
Meine Eltern haben gesagt, »Bist du behindert, Junge? Warum willst du das werden? Damit verdient man kein Geld.« Aber ich habe mir gedacht, ich mach auf jeden Fall etwas, was mir Spaß macht, das ist nie umsonst. Ich habe Spaß daran und deswegen habe ich es gemacht.

Gab es deshalb öfter Diskussionen zuhause?
Es ist relativ schwierig, wenn du Eltern hast, die Schauspieler sind und mit dir über diesen Beruf diskutieren wollen. Das ist ein bisschen kontraproduktiv. Deswegen hatte ich eigentlich ganz gute Karten. Genauso habe ich mal geraucht und meine Eltern standen rauchend vor mir und haben gesagt, »Hör mal Junge [ahmt Zug an Zigarette nach], das kann doch nicht sein, dass du rauchst! Kannst du mal bitte aufhören«.

Wie merkst du dir eigentlich deine Texte?
Achtung: Ich lerne sie. Und ich lerne meine Texte meistens einen Abend vorher, damit sie sich über Nacht in meinem Gehirn verankern und ich sie am nächsten Tag noch weiß.

Funktionierte das auch damals in der Schule schon?
Ja, ich konnte gut lernen, ich konnte mir gut Sachen merken.

Welchen Tipp hast du für Abiturienten, die sich gerade fragen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen?
Auf jeden Fall unbedingt das Abi schaffen. Und dann eine Entscheidung treffen, das zu machen, womit ihnen das Leben Spaß macht und mit dem sie ihr Leben aber trotzdem auch unabhängig von allen anderen bestreiten können, finanziell wie menschlich.

 

Das Interview ist zuerst erschienen in audimax ABI, 2016.